Jahreshauptversammlung des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins zu Hohenleuben (VAVH) und des Freundeskreises Museum Reichenfels 

Am Samstag, dem 26.August 2017 fand die Jahreshauptversammlung beider Vereine im Saal des Museums Reichenfels statt.

Unter den knapp 60 Mitgliedern und Gästen konnten wir als Ehrengäste die Landrätin Frau Schweinsburg, die Landtagsabgeordnete Frau Skippe, den Bürgermeister von Langenwetzendorf und den Bürgermeister von Hohenleuben begrüßen.

Herr Hagner und Herr Schopplich, Vorsitzende der Vorstände trugen die Rechenschaftsberichte beider Vereine vor.

Die geleistete Arbeit zum Erhalt des Museums ist nur in einer Zusammenarbeit zwischen der Stadt Hohenleuben als Eigentümer des Museums und der ehrenamtlichen Arbeit vieler Freiwilliger möglich, so die Herren.

Der VAVH konnte durch Schenkungen von Einzelobjekten und Sammlungen seinen umfangreichen Bestand vergrößern.

Für das neue Vereinsjahr sind neben der wissenschaftlichen Arbeit auch handfeste Dinge wie das Neuanlegen des Zaubergärtchens und die Kellersanierung geplant.

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung erklärte Herr Espig aus Greiz im Festvortrag die „Grundzüge der Morphologie des Fürstentums Reuß ä.L. von 1867 bis 1918“. Wir danken ihm für den interessanten detaillierten Vortrag.

Interessierte können sich gern unter:

www.vavh-geschichtsverein-hohenleuben.de bzw. www.museum-reichenfels.de

zur Museumsarbeit und der Vereinsarbeit informieren.

Das neue Jahrbuch des Museums Reichenfels-Hohenleuben, Heft 62/2017 konnte druckfrisch erworben werden.

28.08.2017

Markus Freund

10.09.2017 | 2017, Nachlese

Stockmacher- ein fast ausgestorbenes Handwerk

Referent: Herr Michael Geyer, Stockmacher aus Lindewerra 

Am Sonntag, dem 21. Mai, war Herr Geyer aus Lindewerra im Museum Reichenfels zu Gast. Er ist der letzte Stockmacher Thüringens und schilderte den 20 Besuchern die fast vergessene Handwerkskunst Stöcke zu fertigen.

In Lindewerra, am heutigen westlichen Rand Thüringens, ließ sich 1836 der Stockmacher Wilhelm Ludwig Wagner aus Göttingen nieder und fertigte aus Eichensprösslingen erste Geh- und Wanderstöcke. Diese wurden bei der damaligen Bevölkerung schnell beliebt und verhalfen dem Ort zu einer Vielzahl an Handwerksbetrieben, den Stockmachern.

Die Stöcke wurden vorzugsweise in der Winterzeit hergestellt, im Sommer arbeiteten die Menschen in der Landwirtschaft.

Die Hochzeit des Stockhandwerkes war zwischen 1900-1930, in einer Zeit, als es noch keine teueren Aluminiumstöcke für Freizeitaktivitäten gab. Nicht nur für Sport, sondern auch als schickes Accessoire war der Stock sehr beliebt. „Nie ohne Stock und Hut“ ging ein Herr in Gesellschaft, der fade Beigeschmack des gebrechlichen, alten Menschen war in der damaligen Zeit nicht das Aushängeschild des Stockes.

Zwischen 1950-1990 gab es in Lindewerra unter der Obhut einer Liefergenossenschaft 10 Betriebe, die 500.000 Stöcke produzierte. 95 % davon gingen in den Export, vorrangig die BRD und Österreich.

Heute gibt es deutschlandweit 2 Stockmacher, Herrn Geyer aus Lindewerra und einen zweiten jenseits der Werra, auf hessischer Seite, von welchen die familiären Wurzeln aber im Ort Lindewerra liegen.

Durch die Wende und den Zeitgeist sind seit dem wichtige Absatzmärkte weggebrochen, der Beruf ist ebenfalls kein anerkannter Ausbildungsberuf mehr.

Die Rohlinge sind heute vorzugsweise aus spanischem Maronenholz, einheimischer Haselnuss oder aus Esche. 32 Arbeitsschritte sind notwendig, um einen Wanderstock zu fertigen.

Der Modesport „Northern Walking“, bekannt geworden durch die Walker mit Aluminiumstöcken, verhalf den Stockmachergewerbe zu einigen Aufschwung, nicht zuletzt, weil die Holzstöcke ein Ausdruck von Individualität sind.

Die Produktionszahlen in Lindewerra stiegen so in den letzten Jahren wieder auf 70.000 Stück pro Jahr.

Wir wünschen Hr. Geyer viel Erfolg bei der Fortführung dieses Handwerkes und regen zu einem Besuch in dem kleinen Dorf an der Werra an.

Am Nachmittag des Sonntages konnten Kinder die Herstellung eines Wanderstockes selbst in die Hand nehmen. Mit Raspel, Säge und Gasbrenner wurden Wanderstöcke mit viel Liebe und Energie gefertigt. Der Stocknagel aus Lindewerra  war dann der I-Punkt auf dem Stock.

Weitere Informationen und Kurioses zur Stockmacherei gibt es im Museum Reichenfels, in der aktuellen Sonderausstellung zu erfahren. Das Stockmacherdorf Lindewerra gibt seine Geheimnisse unter www.lindewerra.de preis.

28.05.2017, Markus Freund

23.05.2017 | 2017, Nachlese

Georg Kresse-auf den Spuren eines kurzen Lebens

hieß eine vom Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins Hohenleuben angebotene Wanderung. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Wanderleiter A. Brandt, widmete dieser die Wanderung dem verstorbenen Heimatforscher F. W. Trebge. Bei den Wanderfreunden war eine unbändige Wanderlust zu spüren und so wurde kurzfristig die Wanderroute verändert, heißt in diesem Falle verlängert.

Zwölf Wanderfreunde machten sich am 25.03.vom Parkplatz am ehemaligen Wasserwerk in Dörtendorf auf den Weg. Erste Station war der Standort des ehemaligen Kressehauses in Dörtendorf. Ein Gedenkstein erinnert noch heute an Kresse und sein Elternhaus. Weiter Richtung Reichenfels erreichen wir nach ca. 1,5 km den Dreiherrenstein. Hier berührten sich die Ländergrenzen von Reuß j.L., Kursachsen und Reuß ä.L. Dieses Länderdreieck erklärt Kresses erfolgreiches Handeln gegen Gewalt und Willkür in seinem Lebensumfeld. Wenige hundert Meter von hier lag sei Versteck, die Kressehöhle. Nach einem leichten Anstieg ging es hinauf zur Burgruine Reichenfels. Den Wandernden bot sich von hier oben ein herrlicher Blick ins Triebestal und Umgebung. Hier wurde auch der Standort der Kressehöhle gezeigt. Nach einer kurzen Rast und einem Blick auf Kopien von Kresses  Tauf – und Hochzeitseintrag in den Döhlner Kirchenbüchern, ging es über die Eierwiese zum roten Felsen hinunter ins Triebestal. Flußabwärts durch die Ungnade das Flüsschen Triebes überquerend welche hier auch die Flurgrenze zwischen Hohenleuben und Döhlen darstellt. Der kleine Wandersteg über die Triebes war unübersehbar in die Jahre gekommen, sollte aber unbedingt erhalten werden. Das Triebestal verlassend ging es nun weiter im Weidatal mit Blick vom Reisweg auf Döhlen und Umgebung. Auf die an einer Wanderbank angebrachten Bedenken zur Errichtung von Windrädern im Forst wurde besonders hingewiesen. Hinab nach Döhlen wandernd war die Kirche unser nächstes Ziel. Im Vorgängerbau wurde G. Kresse getauft und heiratete hier seine Anna Pissel aus Piesigitz. Gleich nebenan befand sich die alte Dorfschule die Kresse auch besucht haben dürfte. Hier in der Kirche erfuhren die Wanderfreunde von seinem kurzem Leben. Nebenbei wurden noch die drei erschienenen Kresse Romane vorgestellt. In Döhlen passierten wir die Altehrwürdige Urpfarrei welche auch Schauplatz für die Filmaufnahmen der 7-Teiligen Fernsehserie “Rächer, Retter und Rapiere„ war. Gleich hinter der Pfarrei befand sich die älteste Mühle im Weidatal, die Döhlenmühle.

Hier dürfte Kresse mit seinen Ernteerträgen vom elterlichen Hof ein-und ausgegangen sein. Einem leichten Anstieg folgend, gings hinauf zum Grobisch mit herrlicher Aussicht und Raststelle. Nebenbei war hier zu erfahren wo sich weitere alte Mühlen, die Pfaffenbrücke und die alte Staitzer Fliehburg befand. Mit Blick Richtung Auma war vom Ende des kurzen Lebens Kresses zu erfahren. Am 1.November 1641 wurde Kresse von Hatzfeldischen Reitern in Auma erschossen.

Anschließend erläuterte der Wanderführer noch warum die Quellenlage über Kresse so dünn sei. Eine Erklärung liefert die am 8. April erfolgte Bombardierung von Schleiz durch amerikanische Flieger. Opfer dieses Angriffs waren auch das Schloss der Reußen mit Archiv. Nach wenigen Wanderminuten erreichten wir wieder den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Trotz Wanderstreckenverlängerung haben wir unser Zeitlimit nur geringfügig überzogen. Gelohnt hat es sich allemal, nicht nur des Wetters wegen. Ein Dankeschön an alle Wanderfreunde für ihr Interesse.

 

Andreas Brandt

25.04.2017 | 2017, Nachlese

Milo Barus – der stärkste Mann der Welt

Osterspaziergang des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins Hohenleuben e.V.

Der Osterspaziergang des VAVH führte diesmal ins schöne Mühltal bei Eisenberg. Vom Parkplatz aus ging es durch das Stille Tal zur Meuschkenmühle bei Weißenborn. Diese ehemalige Mühle und Gaststätte gehörte von 1956 bis 1976 Emil Bahr mit Künstlernamen Milo Barus, dem Herkules aus Thüringen, und seiner Frau Martha.

Eine Dokumentation seines Lebens konnten die Teilnehmer der Exkursion im Museum der Meuschkenmühle ansehen. Man ist besonders stolz, einige Utensilien seiner Kraftakte ausstellen zu können.

 

Milo Barus wäre in diesem Jahr 111 Jahre alt geworden. Sein Geburtsort Stara Červena Voda (Alt Rothwasser) liegt in Tschechien. Als 14jähriger machte er eine Müllerlehre, da war seine Kraft für das Tragen der Säcke gefragt. Er arbeitete dann als Hilfsarbeiter und machte eine Artistenlehre. Begonnen hatte er als Ringer, merkte aber recht bald, dass er durch seine enormen Kräfte seine Gegner schwer verletzen würde. Dies widersprach seinem Naturell. Darum zeigte er lieber im Zirkus und anderen Schauveranstaltungen seine Kraft mit Gewichten. So jonglierte er mit 20kg-Kugeln oder balancierte ein 135kg schweres Torpedo auf dem Kopf.

Mit den Zähnen hob er ein volles Bierfass an, auf dem 3 Jungen saßen. Auch trug er z.B. sein eigenes Pferd mit einer Hand haltend auf dem Rücken eine Treppe hinauf.

 

 

Das Torpedo

Das Pferd auf dem Rücken

 

 

1936 bis 1941 saß er als politischer Häftling im Zuchthaus. Nach dem Krieg musste er nach Deutschland flüchten, hier baute er sich einen Zirkus auf, mit dem er durch die Lande zog. Dieser brannte 1952 ab, er musste bei Null wieder anfangen. Er erhielt ein Engagement bei der Konzert- und Gastspieldirektion der DDR als freischaffender Artist. 1965 ging er dann in Rente. 1976 erlitt er einen Schlaganfall, welches seine linke Seite lähmte. Sein letztes Lebensjahr verlebte er in Mühltal/Inn. Er starb am 1. Oktober 1977. Sein Leben wurde auch als Spielfilm „Milo Barus – der stärkste Mann der Welt“ verfilmt, den Milo Barus spielte Günter Lamprecht. Wer noch mehr über ihn wissen will, in der ARD-Mediathek (Ausstrahlung 14. April 2017, 18.05 Uhr im MDR) findet man den Dokumentarfilm über sein Leben. In den 1960er Jahren trat der Kraftathlet auch im Reußischen Hof Hohenleuben, in Weida in der Schönen Aussicht und Greiz auf, ältere Hohenleubener können sich noch gut an seinen Auftritt erinnern.

Jährlich am 3. Oktober führt der FSV Einheit Eisenberg in einem eigens gebauten Stadion unterhalb des ehemaligen Wohnhauses den „Milo-Barus-Cup“ durch, ein Strong man-Cup mit Gewichte schleppen, Traktoren ziehen, Gewichtheben mit Baumstämmen usw. Besser kann man sein Andenken nicht bewahren.

 

 

Silberhochzeit der Familie Bahr vorn links, unter den Gästen Fritz Eifler (X)

 

Milo Barus war befreundet mit dem Wirt des Hohenleubener Ratskellers, dem Fritz Eifler. In der Ausstellung ist der Eiflers Fritz auf einem Foto von der Silberhochzeit des stärksten Mannes der Welt zu finden.

Joachim Thiele

 

 

25.04.2017 | 2017, Nachlese

Archäologische Untersuchungen im Oberen Schloss Greiz und auf der Osterburg

Am 19. März 2017 referierte Frau Dr. Ines Spazier vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie über Ausgrabungen in Ostthüringen.

 

Referentin Frau Dr. Ines Spieß

 

Speziell ging es um Untersuchungen auf der Osterburg Weida und dem Oberen Schloss in Greiz. Beide Burganlagen wurden während der Zeit der ersten Weidaer Vögte gebaut. Das Neue Schloss auf der Osterburg ist eigentlich das Alte Schloss. Grabungen unweit des jetzigen Eingangstores fand man Holzbalkenreste. Die Radiokarbonanalyse ergab eine Datierung auf das Jahr 1164. Der erste Weidaer Vogt Erkenbert I. wird bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1122 im Zusammenhang mit der Burg Weida gebracht. So liegt es nahe, dass bereits zu Beginn des 12. Jahrhundert mit dem Bau der Osterburg begonnen wurde. Beim Abriss eines Gebäudes am Neuen Schloss wurde an dieser Stelle gegraben, dabei wurden Reste von Mauern, einer Zisterne und eines Turmes gefunden. Zwar steht heute dort ein Neubau mit Fahrstuhl, durch ein Glasfenster im Boden kann diese Mauerreste sehen.

 

Die Osterburg in Weida-Wiege des Vogtlandes

 

Ende des 12. Jahrhunderts wurde durch die Vögte von Weida und Plauen auch in Greiz eine Burg gebaut, 1209 erstmals erwähnt. Bei archäologischen Ausgabungen, an denen auch der Bauhistoriker Lutz Scherf beteiligt war, fand man eine große Menge von Armbrustspitzen und Bliden (Steinkugeln für Steinschleudern. Auch ein gemauerter Brunnen wurde gefunden.

 

Das Obere Schloss in Greiz

 

Auffällig ist, dass in der ursprünglichen Bauweise Säulenfenster vorhanden waren. Solche findet man heute noch alten Burgen in Südtirol. Dies lässt den Schluss zu, Kaiser Friedrich Barbarossa, der Dienstherr der Vögte, die Baumeister aus seinem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation mit in die Region brachte.

 

Joachim Thiele

 

 

 

 

25.04.2017 | 2017, Nachlese

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