Georg Kresse-auf den Spuren eines kurzen Lebens

hieß eine vom Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins Hohenleuben angebotene Wanderung. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Wanderleiter A. Brandt, widmete dieser die Wanderung dem verstorbenen Heimatforscher F. W. Trebge. Bei den Wanderfreunden war eine unbändige Wanderlust zu spüren und so wurde kurzfristig die Wanderroute verändert, heißt in diesem Falle verlängert.

Zwölf Wanderfreunde machten sich am 25.03.vom Parkplatz am ehemaligen Wasserwerk in Dörtendorf auf den Weg. Erste Station war der Standort des ehemaligen Kressehauses in Dörtendorf. Ein Gedenkstein erinnert noch heute an Kresse und sein Elternhaus. Weiter Richtung Reichenfels erreichen wir nach ca. 1,5 km den Dreiherrenstein. Hier berührten sich die Ländergrenzen von Reuß j.L., Kursachsen und Reuß ä.L. Dieses Länderdreieck erklärt Kresses erfolgreiches Handeln gegen Gewalt und Willkür in seinem Lebensumfeld. Wenige hundert Meter von hier lag sei Versteck, die Kressehöhle. Nach einem leichten Anstieg ging es hinauf zur Burgruine Reichenfels. Den Wandernden bot sich von hier oben ein herrlicher Blick ins Triebestal und Umgebung. Hier wurde auch der Standort der Kressehöhle gezeigt. Nach einer kurzen Rast und einem Blick auf Kopien von Kresses  Tauf – und Hochzeitseintrag in den Döhlner Kirchenbüchern, ging es über die Eierwiese zum roten Felsen hinunter ins Triebestal. Flußabwärts durch die Ungnade das Flüsschen Triebes überquerend welche hier auch die Flurgrenze zwischen Hohenleuben und Döhlen darstellt. Der kleine Wandersteg über die Triebes war unübersehbar in die Jahre gekommen, sollte aber unbedingt erhalten werden. Das Triebestal verlassend ging es nun weiter im Weidatal mit Blick vom Reisweg auf Döhlen und Umgebung. Auf die an einer Wanderbank angebrachten Bedenken zur Errichtung von Windrädern im Forst wurde besonders hingewiesen. Hinab nach Döhlen wandernd war die Kirche unser nächstes Ziel. Im Vorgängerbau wurde G. Kresse getauft und heiratete hier seine Anna Pissel aus Piesigitz. Gleich nebenan befand sich die alte Dorfschule die Kresse auch besucht haben dürfte. Hier in der Kirche erfuhren die Wanderfreunde von seinem kurzem Leben. Nebenbei wurden noch die drei erschienenen Kresse Romane vorgestellt. In Döhlen passierten wir die Altehrwürdige Urpfarrei welche auch Schauplatz für die Filmaufnahmen der 7-Teiligen Fernsehserie “Rächer, Retter und Rapiere„ war. Gleich hinter der Pfarrei befand sich die älteste Mühle im Weidatal, die Döhlenmühle.

Hier dürfte Kresse mit seinen Ernteerträgen vom elterlichen Hof ein-und ausgegangen sein. Einem leichten Anstieg folgend, gings hinauf zum Grobisch mit herrlicher Aussicht und Raststelle. Nebenbei war hier zu erfahren wo sich weitere alte Mühlen, die Pfaffenbrücke und die alte Staitzer Fliehburg befand. Mit Blick Richtung Auma war vom Ende des kurzen Lebens Kresses zu erfahren. Am 1.November 1641 wurde Kresse von Hatzfeldischen Reitern in Auma erschossen.

Anschließend erläuterte der Wanderführer noch warum die Quellenlage über Kresse so dünn sei. Eine Erklärung liefert die am 8. April erfolgte Bombardierung von Schleiz durch amerikanische Flieger. Opfer dieses Angriffs waren auch das Schloss der Reußen mit Archiv. Nach wenigen Wanderminuten erreichten wir wieder den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Trotz Wanderstreckenverlängerung haben wir unser Zeitlimit nur geringfügig überzogen. Gelohnt hat es sich allemal, nicht nur des Wetters wegen. Ein Dankeschön an alle Wanderfreunde für ihr Interesse.

 

Andreas Brandt

25.04.2017 | 2017, Nachlese

Milo Barus – der stärkste Mann der Welt

Osterspaziergang des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins Hohenleuben e.V.

Der Osterspaziergang des VAVH führte diesmal ins schöne Mühltal bei Eisenberg. Vom Parkplatz aus ging es durch das Stille Tal zur Meuschkenmühle bei Weißenborn. Diese ehemalige Mühle und Gaststätte gehörte von 1956 bis 1976 Emil Bahr mit Künstlernamen Milo Barus, dem Herkules aus Thüringen, und seiner Frau Martha.

Eine Dokumentation seines Lebens konnten die Teilnehmer der Exkursion im Museum der Meuschkenmühle ansehen. Man ist besonders stolz, einige Utensilien seiner Kraftakte ausstellen zu können.

 

Milo Barus wäre in diesem Jahr 111 Jahre alt geworden. Sein Geburtsort Stara Červena Voda (Alt Rothwasser) liegt in Tschechien. Als 14jähriger machte er eine Müllerlehre, da war seine Kraft für das Tragen der Säcke gefragt. Er arbeitete dann als Hilfsarbeiter und machte eine Artistenlehre. Begonnen hatte er als Ringer, merkte aber recht bald, dass er durch seine enormen Kräfte seine Gegner schwer verletzen würde. Dies widersprach seinem Naturell. Darum zeigte er lieber im Zirkus und anderen Schauveranstaltungen seine Kraft mit Gewichten. So jonglierte er mit 20kg-Kugeln oder balancierte ein 135kg schweres Torpedo auf dem Kopf.

Mit den Zähnen hob er ein volles Bierfass an, auf dem 3 Jungen saßen. Auch trug er z.B. sein eigenes Pferd mit einer Hand haltend auf dem Rücken eine Treppe hinauf.

 

 

Das Torpedo

Das Pferd auf dem Rücken

 

 

1936 bis 1941 saß er als politischer Häftling im Zuchthaus. Nach dem Krieg musste er nach Deutschland flüchten, hier baute er sich einen Zirkus auf, mit dem er durch die Lande zog. Dieser brannte 1952 ab, er musste bei Null wieder anfangen. Er erhielt ein Engagement bei der Konzert- und Gastspieldirektion der DDR als freischaffender Artist. 1965 ging er dann in Rente. 1976 erlitt er einen Schlaganfall, welches seine linke Seite lähmte. Sein letztes Lebensjahr verlebte er in Mühltal/Inn. Er starb am 1. Oktober 1977. Sein Leben wurde auch als Spielfilm „Milo Barus – der stärkste Mann der Welt“ verfilmt, den Milo Barus spielte Günter Lamprecht. Wer noch mehr über ihn wissen will, in der ARD-Mediathek (Ausstrahlung 14. April 2017, 18.05 Uhr im MDR) findet man den Dokumentarfilm über sein Leben. In den 1960er Jahren trat der Kraftathlet auch im Reußischen Hof Hohenleuben, in Weida in der Schönen Aussicht und Greiz auf, ältere Hohenleubener können sich noch gut an seinen Auftritt erinnern.

Jährlich am 3. Oktober führt der FSV Einheit Eisenberg in einem eigens gebauten Stadion unterhalb des ehemaligen Wohnhauses den „Milo-Barus-Cup“ durch, ein Strong man-Cup mit Gewichte schleppen, Traktoren ziehen, Gewichtheben mit Baumstämmen usw. Besser kann man sein Andenken nicht bewahren.

 

 

Silberhochzeit der Familie Bahr vorn links, unter den Gästen Fritz Eifler (X)

 

Milo Barus war befreundet mit dem Wirt des Hohenleubener Ratskellers, dem Fritz Eifler. In der Ausstellung ist der Eiflers Fritz auf einem Foto von der Silberhochzeit des stärksten Mannes der Welt zu finden.

Joachim Thiele

 

 

25.04.2017 | 2017, Nachlese

Archäologische Untersuchungen im Oberen Schloss Greiz und auf der Osterburg

Am 19. März 2017 referierte Frau Dr. Ines Spazier vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie über Ausgrabungen in Ostthüringen.

 

Referentin Frau Dr. Ines Spieß

 

Speziell ging es um Untersuchungen auf der Osterburg Weida und dem Oberen Schloss in Greiz. Beide Burganlagen wurden während der Zeit der ersten Weidaer Vögte gebaut. Das Neue Schloss auf der Osterburg ist eigentlich das Alte Schloss. Grabungen unweit des jetzigen Eingangstores fand man Holzbalkenreste. Die Radiokarbonanalyse ergab eine Datierung auf das Jahr 1164. Der erste Weidaer Vogt Erkenbert I. wird bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1122 im Zusammenhang mit der Burg Weida gebracht. So liegt es nahe, dass bereits zu Beginn des 12. Jahrhundert mit dem Bau der Osterburg begonnen wurde. Beim Abriss eines Gebäudes am Neuen Schloss wurde an dieser Stelle gegraben, dabei wurden Reste von Mauern, einer Zisterne und eines Turmes gefunden. Zwar steht heute dort ein Neubau mit Fahrstuhl, durch ein Glasfenster im Boden kann diese Mauerreste sehen.

 

Die Osterburg in Weida-Wiege des Vogtlandes

 

Ende des 12. Jahrhunderts wurde durch die Vögte von Weida und Plauen auch in Greiz eine Burg gebaut, 1209 erstmals erwähnt. Bei archäologischen Ausgabungen, an denen auch der Bauhistoriker Lutz Scherf beteiligt war, fand man eine große Menge von Armbrustspitzen und Bliden (Steinkugeln für Steinschleudern. Auch ein gemauerter Brunnen wurde gefunden.

 

Das Obere Schloss in Greiz

 

Auffällig ist, dass in der ursprünglichen Bauweise Säulenfenster vorhanden waren. Solche findet man heute noch alten Burgen in Südtirol. Dies lässt den Schluss zu, Kaiser Friedrich Barbarossa, der Dienstherr der Vögte, die Baumeister aus seinem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation mit in die Region brachte.

 

Joachim Thiele

 

 

 

 

25.04.2017 | 2017, Nachlese

„Was thust du für Gera du Treiber“ – Goethe und der Osten Thüringens

Referent: Bernd Kemter, Goethe Gesellschaft Gera e.V.

Zum Sonntagsgespräch am 15.01.2017 im Museum Reichenfels fanden sich ca. 40 Besucher ein. Thema war der Dichterfürst Goethe im Osten Thüringens- ein weit erforschtes Feld der Goethe Gesellschaft Gera e.V. Bernd Kempter in Hohenleuben zum Sonntagsgespräch

Die Umgebung des Museums Reichenfels ist für den Referenten Herrn Kemter keine unbekannte. Der gebürtige Zeulenrodaer lebte später in Triebes und stromerte als Kind gern im Triebestal und der Ruine Reichenfels.
Keiner dieser beiden Orte wurde von Goethe je besucht, sonst gäbe es wahrscheinlich Werke der Poesie davon.

Goethe aber besuchte Gera sechsmal in seinem Leben und pflegte vielfältige Kontakte nach Ronneburg, Gera, Greiz und Köstritz. 1790 hatte er gemeinsam mit Anna Amalia auf zwei Durchreisen von Weimar nach Sachsen in Gera übernachtet. Sein schlechter Schlaf plagte ihm bei seinem letzten Besuch 1813 in der Dix-Stadt. Seine gestörte Nachtruhe hatte ihren Ursprung in einer nahe gelegenen Walkmühle und war Goethe eine Erwähnung in seinem Tagebuch wert. Goethe in Gera
Aber nicht nur Nebensächliches verdiente seine Beachtung. So stand er mit Experten der Mineralogie aus Gera in Verbindung, tauschte und vervollständigte seine Sammlung mit Exponaten aus der Umgebung. Ein Meteorit stand weit oben auf Goethes Wunschliste. Ein Kauf stand jedoch nicht zur Wahl. Letztlich bekam er für seine Sammlung vier Gramm des insgesamt 3.000 g schweren Steines.
Bei der Auflösung der reußischen Sammlung in Köstritz interessierten den Universalgelehrten vor allem die Kuriositätensammlung, die als eine damalige Modeerscheinung aus Elsterperlen, Hölzern, Bernsteinen, Münzen und Büchern bestand. Aber nicht nur weltliche Dinge sind bekannt. Viele Maler seiner Zeit wollten Goethe porträtieren, der sich ungern malen ließ.

Ein Mitglied der Malerfamilie Grünler aus Zeulenroda hatte die Möglichkeit Goethe zu skizzieren, woraus ein Portrait des Dichterfürsten gemalt wurde.
Als weiterer Bezug zu Ostthüringen sind Briefkontakte Goethes mit mehreren Geraer Familien belegt; ebenso bestanden auch zu den Reußen lebhafte Kontakte.

Bemerkenswert ist, dass Goethes Tagebucheinträge dazu meist sehr kurz und ohne ausschweifende Darstellungen sind.

Als kleine Anekdote gibt es ein überliefertes Gespräch zwischen Goethe und Heinrich XIV., das die beiden 1792 bei schweren Kampfhandlungen in Verdun geführt hatten. Hierbei ging es weniger um die Strategie der Schlacht, sondern vielmehr um Goethes Farbenlehre. Die Inspiration zur Themenwahl ist nicht überliefert, möglicherweise war es das Kanonenfeuer am nächtlichen Himmel.

Ein weiterer Bezug Goethes zur hiesigen Gegend ist ein Klavier aus Gera, welches in der Frankfurter Wohnung seiner Schwester stand und von ihr sehr geschätzt wurde. Gera war zu dieser Zeit für den Klavierbau über die Landesgrenzen bekannt.

Wir danken Herrn Kemter für den kurzweiligen und aufschlussreichen Vortrag und verweisen auf weiterführende Informationen der Goethe Gesellschaft Gera e.V. unter  www.goethe-gesellschaft-gera.de/

 

18.01.2017, Markus Freund

29.01.2017 | 2017, Nachlese

Von Kirchen und Burgen – Eine Gedenkschrift für Günter Hummel

Referenten: Andreas Hummel, Dr. Hans-Jürgen Beier und Sebastian Schopplich

Das Sonntagsgespräch des Monats November widmete sich der Gedenkschrift für Günter Hummel, dem 2013 verstorbenen Ehrenmitglied des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins Hohenleuben e.V. (VAVH).

Dem Anlass angemessen sorgte das Akkordeon-Duo der Musikschule „Heinrich Schütz“, Gera für die musikalische Umrahmung dieses Vormittags.

Sebastian Schopplich führte mit bewegenden Worten in die Veranstaltung über Herrn Hummel ein. Der Autodidakt und Kunsthistoriker Günter Hummer hatte großes Interesse und eine grenzenlose Neugier an breit gefächerten Fachgebieten. An diesen forschte er mit Primärliteratur und mit Hilfe eines großen menschlichen Netzwerks. Er erkannte früh den Stellenwert der Kultur im Leben der Menschen und trug mit seiner Forschungsarbeit seinen Teil dazu bei.

Sebastian Schopplich eröffnete das Sonntagsgespräch mit Würdigung der Arbeit von Günter Hummel.

 

 

 

 

 

Andreas Hummel stellte im Anschluss die Themengebiete seines Vaters vor. Seine über 100 Fachartikel und ebenso viele verschiedene Vorträge arbeitete Günter Hummel gemeinsam mit Frank Reinhold, seinem engsten Freund und Wegbegleiter, aus. Seine Forschungen zu den Kirchen und Burgen im Gebiet von Ostthüringen und Westsachsen wurden in Heimatkalendern, Jahrbüchern und als eigenständige Publikation „Der kleine sakrale Kunstführer“ veröffentlicht. Seine selbst angeeignete Fachkenntnis und die unkonventionell beschrittenen Forschungswege ließen eine Sichtweise fern ab der sonst vermittelten akademischen Wege zu, was sich in den umfangreichen Ergebnissen zeigte.

Andreas Hummel stellte das Wirken seines Vaters vor.

 

 

 

 

Günter Hummel, so sein Sohn, tauchte tief in die Themen der Vergangenheit und Gegenwart ein. Steinkreuze, Grab- und Taufsteine, Schnitzereien, wilde Leute, Bornkinnel, Moosmänner, Sagen und Bräuche zu Weihnachten sind nur ein Teil der unterschiedlichen Gebiete, die sein Vater mit seiner Forschung und Veröffentlichung vor dem Vergessen bewahrte.

Einige Schriften, in denen Günter Hummel Beiträge zur Regionalgeschichte veröffentlichte.

Anschließend stellte der Verleger Herr Dr. Beier vom Verlag Beier und Beran aus Langenweißbach, einen Teil des veröffentlichten Werkes Günter Hummels vor.

In Zusammenarbeit mit Andreas Hummel wurde die Druckversion der Gedenkschrift „Kirchen und Burgen“ posthum fertiggestellt. Der Umfang von 400 Seiten, die Details und die Tiefe der Forschungen stuft dieses Buch als Standardwerk zum Thema ein.

Sichtlich ergriffen informierte Herr Dr. Beier, dass viele angefangene Manuskripte aus dem Nachlass Hummels auf ihre Fertigstellung warten. Sollten sich hier Menschen mit Liebe zu diesen Themen finden, so können wir uns auch in Zukunft auf weitere Veröffentlichungen freuen.

Den fachlichen Ausklang mit abschließenden Worten machte Herr Schopplich und lud die knapp 60 Besucher zum Buffet mit musikalischer Untermalung ein. Die von der Organisation der Veranstaltung begeisterten Besucher fanden sich dort zum regen Austausch zusammen.

Vielen Dank gebührt allen Vor- und Nachbereitern der gelungenen Veranstaltung.

Weiterführende Informationen zum Leben und Wirken Günter Hummels gibt es im Museum Reichenfels oder unter www.vavh-geschichtsverein-hohenleuben.de.

Auf Ihren Besuch zu weiteren Veranstaltungen freut sich der VAVH.

Markus Freund

(Fotos: Joachim Thiele)

02.01.2017 | 2016, Nachlese

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