Sonntagsgespräch des VAVH im September 2020
20. September 2020, Museum Reichenfels

Das Ringen um die Heide im Pöllwitzer Wald

Dr. Elisabeth Endtmann, Schmölln

 

Am 20. September fand das erste Sonntagsgespräch des VAVH nach der Covid-19 Unterbrechung unter Einhaltung des Hygienekonzeptes statt. Zu dieser Veranstaltung waren 15 Besucher anwesend.

Die Referentin, Dr. Endtmann hatte in den letzten Jahren an der Wiederherstellung der Heide an der ehemaligen Lehrgrenze im Pöllwitzer Wald mitgewirkt.

Die Heide, welche nur mit menschlichem Zutun (anthropogen entstandene Fläche) erhalten werden kann, entstand nach der Wende auf dem aufgebrochenen Boden der ehemaligen Lehrgrenze. Diese ursprünglich 14,4 ha (1997) große Fläche verbuschte im Laufe der Zeit und reduzierte sich ständig. 2013 umfasste sie nach 8 ha, 2016 nur noch 2,6 ha.

Um die Rudimente zu sichern wurden im Rahmen eines Projektes verschiedene Maßnahmen ergriffen. So wurde eine motormanuelle Entbuschung, eine Entnahme von Einzelbäumen, die Herabsetzung des Bestockungsanteils und die Beweidung durch Ziegen und Esel durchgeführt.

Auf einer 2016 tiefgemulchten Fläche waren bereits, trotz großer Trockenheit, ein Jahr später erste Heidepflanzen zu sehen. Diese Population entwickelte sich zu einer zusammenhängenden Fläche bis 2019. Um dort der Verbuschung entgegenzuwirken wurde die regelmäßige Beweidung als langfristige Lösung erarbeitet.

Ohne menschliche Eingriffe wird sich die Heide im Pöllwitzer Wald nicht erhalten lassen.

Warum ist die Heide als Lebensraum so spannend? Sie bietet vielen Tier- und Pflanzenarten, welche im Nadelwald keine Möglichkeit haben zu überleben eine Chance.

So zum Beispiel Heidekraut, Preisel- und Blaubeere, Bärlapp, verschiedene Flechtenarten, aber auch Heidelerchen, Kreuzottern, Blindschleichen und Waldeidechsen.

Vielleicht starten Sie den nächsten Sonntagsspaziergang im Pöllwitzer Wald am Moorlehrpfad und erkunden die verschiedenen Heideflächen auf eigene Faust.

Weiterführende Informationen zur Heide im Pöllwitzer Wald finden Sie im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung im Museum Reichenfels.

12.10.2020, Markus Freund

13.10.2020 | Nachlese

Geschichte des Vogtlandes-    Entstehung und Geschichte bis 1918 

Referent:  Hagen Rüster, Staatsarchiv Greiz

 

Frau Antje Dunse eröffnete die Veranstaltung mit dem Hinweis auf die Wanderausstellung, welche aktuell im Rahmen des Kulturweges der Vögte im Museum Reichenfels zu sehen ist. Der Schwerpunkt dieser Ausstellung ist die Geschichte zum Deutschen Orden. Da das Vogtland neben den thüringischen, sächsischen und fränkischen Teil auch den böhmischen Teil umfasst, ist diese Ausstellung deutsch und tschechisch beschrieben.

Der Einladung zum Sonntagsgespräch des VAVH sind dreißig Interessierte in das Museum Reichenfels gefolgt. Hagen Rüster referierte seinen spannenden Vortrag frei und untermalte ihn mit Bildern und Anekdoten.  Der Namen -Vogt- erschien 1209 erstmalig in einer Urkunde des Klosters Mildenfurth.  Der Ursprung des Vogtlandes ist bei den Staufern, speziell bei Kaiser Barbarossa zu finden. Im 13. Jahrhundert wurde eine neue starke staatliche Struktur in unserer Siedlungsgegend errichtet. Die Verstädterung beschleunigte sich, es entstanden Weida, als vorläufiger Hauptsitz der Vögte, Gera, Plauen, später Greiz.

Bis zum 14. Jahrhundert war das Vogtland eine politische Einheit. Das Wappen war interessanterweise analog dem von Rheinland Pfalz: gelber Löwe auf schwarzem Grund.

Kaiser Karl IV. begann mit den Städten Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen die vogtländischen Kriege.

In der „Goldenen Bulle“ von 1356 wurde die Aufteilung des Vogtlandes festgelegt. Der südliche Teil war fortan ein Teil von Böhmen. Die darauffolgenden Jahrhunderte wurden von Machtkämpfen der Reußen, den sächsischen Kurfürsten und Marktgrafen aus Meißen geprägt.

Nach der Schlacht bei Mühlberg im Schmalkaldischen Krieg 1546/1547 änderten sich abermals die Grenzen des Vogtlandes. Böhmische Truppen besetzen Plauen, die Ernstiner verloren ihren Besitzanspruch, Ferdinand I. verlieh diesen seinen Kanzler Heinrich IV. von Plauen.

1559 verpfändeten die Brüder Heinrich V. und Heinrich VI. das Vogtland wegen Zehntrückständen an Kursachsen. Damit endete die Herrschaft der Vögte von Plauen.

Dieser sächsische Teil gehörte ab 1835 zur Kreisdirektion Zwickau bis zum Ende das 1. Weltkrieges 1918.

Die Geschichte des Vogtlandes als eigenständiges Territorium endet mit dem Zusammenschluss der Fürstentümer zum Freistaat Thüringen.   Weiterführende Informationen zu diesem interessanten Thema finden Sie in den umfangreichen Beständen des Staatarchives Greiz oder im Museum Reichenfels.

02.03.2020, Markus Freund

 

09.03.2020 | Nachlese

Museum Reichenfels

Frühe Städte im Vogtland: Weida, Gera und Plauen im Vergleich

Referent: Dr. Christine Müller

Am 19. Januar 2020 waren zum ersten Sonntagsgespräch des VAVH im neuen Jahr mehr als dreißig Besucher in das Museum Reichenfels gekommen. Zu Gast war Dr. Christine Müller, die zur Siedlungsgeschichte unserer Region referierte. Die Vögte, denen das Vogtland seinen Namen verdankt, werden richtig als Vögte von Weida, Gera und Plauen bezeichnet. Sie waren es, die die Urbanisierung in unserer Region begannen. Jede der drei Hauptlinien gründete eine der benannten Städte in chronologischer Reihenfolge. Weida war im 13. Jahrhundert die größte, älteste und für die Vögte wichtigste Stadt während ihrer Herrschaft. 1209 erstmals urkundlich erwähnt beherbergte Weida zwei Bettelordenskonvente: die Franziskaner und Dominikanerinnen. Die Widenkirche „St. Marien“ wurde bereits in den 1190´er Jahren gegründet. Eine weitere Besonderheit in Weida sind die zwei Pfarrkirchen St. Marien in der Altstadt und die später erbaute Neustädter Peterskirche. Die Grundfläche beider Stadtteile war mit jeweils 10 ha annähernd gleich. Nach der Vereinigung der Weidaer Alt- und Neustadt im 14. Jahrhundert war Weida mit 20 Hektar Stadtfläche doppelt so groß wie Gera oder Plauen.

Gera wurde als Stadt erstmals 1237 urkundlich wähnt. In dieser Urkunde wurde der damalige Vogt Heinrich als Inhaber der Münze beschrieben. 1244 folgte dann Plauen mit der Erstnennung als Stadt. Weitere Städte unserer Region gründeten sich in den folgenden Jahrzehnten, so beispielsweise im Jahr 1271 Reichenbach, Ronneburg und Werdau um 1304, Berga folgte dann 1364.   Weitere Faktoren wie die geographische Lage und die Lage entlang überregionaler Straßen und Verkehrswege bestimmte die Entwicklung dieser Städte. Durch diese Faktoren verlor Weida bald den Status der Hauptstadt des Vogtlandes und wurde zum beschaulichen Städtchen mit Verwaltungscharakter. Ein industrielles Erblühen der drei Städte mit überregionaler Strahlkraft erfolgte erst Jahrhunderte später mit der Industrialisierung, die leider bis zum heutigen Tage nicht aufrechterhalten werden konnte.

Weiterführende Informationen zu diesem interessanten Thema finden Sie in der 25. Jahresschrift des Vereins für vogtländische Geschichte Plauen e.V., einem Tochterverein des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins zu Hohenleuben e.V. Kontakt: www.vogtland-geschichte.de bzw. Telefon 037431/149077.

A26.01.2020, Markus Freund

09.02.2020 | Nachlese

Sonntagsgespräch des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins zu Hohenleuben vom 22.September 2019

Zwei in einem. Kloster und Schloß Mildenfurth –  ein ungewöhnliches Architekturdenkmal.

Referent: Dr. Rainer Müller, Erfurt

 

Zum ersten Sonntagsgespräch im neuen Vereinsjahr besuchten 40 Interessierte das Museum Reichenfels.  Das begründet sich nicht nur des interessanten Themas wegen, sondern auch der langen Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen, dem Vogtländischen Altertumsforschenden Verein und dem Arbeitskreis Kunst und Kultur „Kloster Mildenfurth“. Dr. Rainer Müller führte mit dem Schwerpunkt Baugeschichte des Klosters durch seinen spannenden und kurzweiligen Vortrag.

Das Kloster Mildenfurth, eine wichtige Keimzelle der neueren Besiedlung unserer Gegend wurde 1193 vom Vogt Heinrich II. von Weida gegründet. Erste Bautätigkeiten entstanden um 1206 mit dem Bau der Stiftskirche, später folgten die dreischiffige Basilika mit dem Chorgewölbe. Am südlichen Ende schloss sich der Kreuzgang an.  Verschiedene Bauelemente und Baustile lassen auf eine Zusammenarbeit mit den Bauherren des Naumburger Doms schließen. So ist anzunehmen, dass die ausführenden Baumeister an beiden Bauwerken tätig waren, zumal diese nur kurz zeitversetzt begonnen und fertiggestellt wurden.  Man baute mit den gemachten Erfahrungen beide Häuser und setzte neue, dem zeitl. Trend folgende Ausführungen um. Dem Kloster zugehöig war wie in dieser Zeit üblich, eine Klostermühle. Diese versorgte die Mönche mit den verarbeiteten Grundlebensmitteln.

 

Nach der Reformation verlor das Kloster seine kirchliche Bedeutung und wurde ab 1617 zum Jagdschloss umgebaut. Die Umwidmung kirchlicher Bauten ist also keine Mode der Neuzeit, sondern die Gebäudehülle wurde bereits vor Jahrhunderten weiter genutzt und versucht zu erhalten.  Die Vollendung des Jagdschlosses wurde nie abgeschlossen, ein weiterer Verfall zog sich über viele Jahrhunderte, mit wenigen Unterbrechungen, dahin.

Haupt- und Seitengebäude wurden bspw. zu DDR Zeiten als Altenheim und von der ortsansässigen LPG als Obstlager genutzt. Nach der politischen Wende wurde durch den Arbeitskreis Kunst und Kultur „Kloster Mildenfurth“ die Substanz des Klosters wieder erforscht. Es wurde freigelegt, entkernt, enträtselt und erhalten.

Viel Details kamen erst nach Jahrhunderten wieder zum Vorschein. Dadurch fielen diese den diversen Modeströmungen auch nicht zu Opfer und können nun für die Nachwelt fixiert werden. Welch eine Aufgabe, wenn man die Örtlichkeiten kennt! Dennoch ist bereits viel geschehen und es geht in kleinen Schritten voran. 1995 übernahm die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten das Objekt und restauriert es. Der Arbeitskreis veranstaltet Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen in der Anlage. Das Künstlerehepaar Volkmar Kühn und Marita Kühn- Leihbecher, bewohnt ein Nebengebäude des Klosters und verschönert das Gebäude und den Klostergarten mit Skulpturen und anderen Kunstwerken.  Die Attraktivität der Anlage erschließt sich somit vielen Besuchern und Förderern.

Falls Sie im nahenden Herbst das Kloster im Weidatal erleben wollen, so können Sie unter folgenden Kontaktdaten Details zu den Öffnungszeiten und zu Veranstaltungen erfragen:

Telefon: 036603.88245 bzw.

Verwaltungsgemeinschaft Wünschendorf Herr Winkler T: 03 66 03/60 99 66 winkler@wuenschendorf.de

Für die stürmischen Herbst- und Wintertage kann als Vertiefung in das Thema der Literaturtipp von Herbert Eichhorn „Der einstige Prämonstratenserkloster- und Schlosskomplex Mildenfurth. Entstehung, Nutzung und denkmalpflegerische Konsequenzen, Arbeitsheft des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege, Neue Folge 7, Erfurt 2002  genutzt werden.

Reichenfels, 28.09.2019

19.10.2019 | 2019

Namen, Zeichen und Symbole im mitteldeutschen Bergbau

Referent: Olaf Zeidler, Gera

Am 20.01.2019 waren zum ersten Sonntagsgespräch des VAVH im neuem Jahr wieder viele Besucher in das Museum Reichenfels gekommen.

Der Referent Olaf Zeidler, gebürtiger Weidaer mit Studienabschluss an der Freiberger Bergakademie, leitete seinen Vortrag mit einem „Glück auf“ ein.

Wenn wir die Vergangenheit und die Geschichte unserer Heimat verstehen wollen, so liegt vielen Dingen der Bergbau zugrunde. Ortsnamen, Zeitangaben, Symboliken und vieles mehr sind von ihm geprägt. Diese Zusammenhänge wurden in einer sensationellen wissenschaftlichen Tiefe untersucht und in seinem Vortrag verständlich erläutert.

Herr Zeidler zeigte auf, dass Angaben zu Mengen, der Zeit, zu Personen und Orten von Aussenstehenden oft nicht verstanden wurden, die die historischen Aufzeichnungen falsch deuteten.

Um den Tagesvortrieb eines Stollens zu bestimmen wurde die Länge mit Handbreit beschrieben. So entspricht eine Handbreit 7-8 cm.

Um die Größe eines Claims bei der Neuvergabe von Grundstücken zu bestimmen, wurde mit dem Maß Lachter gerechnet. Ein Lachter mißt 1,98 m und entspricht der Breite der ausgestreckten Arme eines erwachsenen Mannes. Weiter gibt es die bekannteren Körpermaße Elle und Spanne, die wiederum regional verschieden sind.

Bei den Wurfmaßen, welche bis zum 7. Jahrhundert mit der Wurfaxt (Franziska) festgelegt wurden, gibt es aufsteigend den Lehn, das Wehr, die Fundgrube und das Geviert.

Weiterhin wurde den geförderten Bodenschätzen alchimististe Zeichen zugeordnet. Bodenschätze hatten auch oft eine Planetenzuordnung. So hatte das Element Eisen das Zeichen für Männlichkeitt und den Planet Mars als Verschlüsselung. Kupfer hingegen entsprach dem Symbol der Weiblickeit und damit dem Planet Venus.

Auch die in der Gegend stillgelegten Wismut-Abbaustätten hatten als Lagebestimmung nicht die Orte, an denen sie sich befanden, sondern zugeordnete Objektnummern, bspw. Objekt 102 für die Aufbereitung in Seelingstädt.

Religöse Namen wie die zwölf Apostel oder die vierzehn Nothelfer wurden Orten, Gruben, Schächten oder Stollen in der Hoffnung gegeben viele Bodenschätze zu finden.

Auch die Venezianer, die für ihre Heimatstadt Bodenschätze erwerben oder ausspionieren sollten, verschlüsselten mit der umfangreichen Symbolik schützenswerte Informationen – auch um im Falle der Festnahme ihr Leben zu retten.

Herr Zeidler sensibilisierte die Besucher seines Vortrags: in Felsen geschlagene Symbole in unserer Gegend haben oft eine Zuordnung zu dem bergbaulichen Aktivitäten der letzten Jahrhunderte.

Weiterführende Inforrmationen zu diesem umfangreichen Thema erhalten sie beim Verein der Mineralien- und Fossilienfreunde in Gera.

24.01.2019, Markus Freund

13.03.2019 | 2019, Nachlese

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