Rittergüter des Vogtlandes

Rittergüter des Vogtlandes

Zum heimatgeschichtlichen Sonntagsgespräch im Monat Mai hatte der Vogtländische Altertumsforschende Verein Hohenleuben am 21.05.2006 in das Museum Hohenleuben- Reichenfels eingeladen.

Zum Thema „Rittergüter des Vogtlandes“ sprach Herr Prof. Dr. W. Seffner, Großpösna vor zahlreichem Publikum. In seinen Ausführungen beschäftigte sich der Referent überwiegend mit den Rittergütern im sächsischen Vogtland; in der historischen Entwicklung gibt es jedoch eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten mit denen unserer thüringischen Heimat.

In der Zeit der Besiedlung entstanden in den ehemals slawischen Siedlungsgebieten Herrensitze für die administrative Verwaltung. Diese Herrensitze mit ihren wehrhaften Bauten waren vorwiegend auf prägnanten Höhen oder als Ringwallanlagen angelegt. Heute noch sind solche Ringwallanlagen beispielweise erkennbar in Bobenneukirchen, Mechelgrün, Mißlareuth, Kauschwitz, Kürbitz, Kleingera u.a. Ursprünglich in den slawischen Siedlungen angelegt, entstanden im Laufe der Besiedlung aber auch Rittergüter in den neu entstandenen deutschen Orten. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der Charakter der anfangs rein wehrhaft gebauten Rittersitze in Rittergüter mit ausgedehnten land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Charakteristisch für diese Rittergüter waren meist die Vier- Seitenhöfe, wobei sich auf einer Seite immer das Herrenhaus bzw. in späteren Jahren das Schloss befand. Umgeben waren diese Herrensitze immer von einem Park und einer umgebenden Rittergutsmauer. Die Güter hatten die Grundherrschaft über die umliegenden Dörfer, besaßen bis 1918 einen eigenen Gemeindebezirk, hatten eine eigene Jagd und übten in Sachsen bis 1872 das Patronat über Kirche und Schule aus.

Über viele Jahrhunderte hinweg besaßen die Rittergüter eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Anfang des 20. Jahrhunderts waren im sächsischen Vogtland noch 100 Rittergüter bekannt. Bereits in den Jahren von 1900 bis 1945 sind 20 davon aufgelöst worden. Ein Teil wurde von den expandierenden Städten aufgekauft; so gingen die Rittergüter von Reusa, Kauschwitz, Werda an Plauen, das von Brunn 1925 an die Stadt Reichenbach und Sorga an Rodewisch. Mit dem Bau der Talsperre Pirk wurden 1937 die Rittergüter in Dobeneck und Magwitz aufgelöst. Durch die ab 1934 betriebenen Erbbauernhofgründungen wurden die Rittergüter von Sachsengrün, Ritzengrün und Coschütz in sächsische Bauernsiedlungen umgewandelt; die Flächen des Gutes Strassberg fanden als Exerzierplatz für die Kaserne in Plauen Verwendung. Besonders einschneidend verlief diese Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg. Von den damals noch existierenden 80 Rittergütern wurden im Zuge der Bodenreform (Bodenreformverordnung für Sachsen vom 11. September 1945) 70 enteignet und an Landarbeiter und landlose Umsiedler aufgeteilt.

Am 22./23. Oktober 1945 erfolgte die Verhaftung der Familien der Rittergutsbesitzer und deren Deportation auf die Insel Rügen. Ein Teil dieser Rittergüter wurde in der Folgezeit in Neubauernhöfe aufgeteilt (Reusa) oder aber abgerissen (Ottengrün 1948, Oelsnitz- Raschau, Schloditz, Wiedersberg, Freiberg bei Adorf). Von den noch erhalten gebliebenen einstigen Herrenhäusern sind einige wenige in den letzten Jahrzehnten saniert worden (Treuen, Pfaffengrün, Pirk, Gutenfürst, Leubnitz bei Plauen, Dobeneck, Heinersgrün); etliche wurden aber in den letzten Jahren ebenfalls abgerissen (Sorga, Mißlareuth, Schönbrunn) bzw. sind vom Verfall bedroht (Dorfstadt bei Falkenstein, Mechelgrün).

Mit einem herzlichen Applaus bedankten sich die zahlreichen Zuhörer für die aufschlussreichen und interessanten Ausführungen des Referenten Herrn Prof. Dr. Seffner.
24.05.2006/J. Zorn

21-Mai-2006 | 2006, Nachlese

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen