Verein

„Vogtländischer Altertumsforschender Verein zu Hohenleuben e.V.“

Der VAVH stellt sich vor

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
als Vorsitzender des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins zu Hohenleuben möchte ich Sie hier einerseits begrüßen und Ihnen unseren Verein  etwas näher vorstellen.

Der Vogtländische Altertumsforschende Verein zu Hohenleuben ist unseres Wissens der drittälteste – noch  bestehende – deutsche Geschichtsverein. Er wurde 1825 hier im entlegenen Marktflecken Hohenleuben, einer der Residenzen des apaganierten Fürstenhauses Reuß-Köstritz aus der Jüngeren Linie gegründet.

Damit können wir nun auf ein 185jähriges Wirken zurückschauen, und es ist weder Anmaßung noch Übertreibung zu behaupten, dass die moderne Geschichtsschreibung des Vogtlandes zumindest des thüringischen und sächsischen Anteils ihren Ursprung hier genommen hat. Unser Verein diente sozusagen als Mutterverein für Zweigvereine in Fraureuth, Gera, Greiz, Plauen, Reichenbach,  Ronneburg,  Schleiz, Weida und sogar in Oberweimar bei Weimar.

Bereits frühzeitig wurde der besondere Charakter unseres Vereins entdeckt, so schrieb der berühmte Rudolf Virchow im Jahre 1876: „ Es ist wohl der in seinen äußeren Verhältnissen nach originellste Verein, den wir in Deutschland haben. Seine Mitglieder wohnen zerstreut … und doch hat er immer daran festgehalten, in dem kleinen Marktflecken Hohenleuben seinen Sitz zu bewahren …,  so wie der Heilige Gral von der Welt abgesondert auf dem Reichenfels, und dieser selbst ist wieder getrennt von Hohenleuben …“.  Und an dieser Aussage stimmt noch heute das Wesentliche: unsere Mitglieder wohnen zwischen Ost- und Nordsee und dem Schwarzwald und seinen Sitz hat er noch immer in Reichenfels, noch immer etwas abgeschieden von der Welt – und doch immer in ihr und ihren Problemen.
Gegründet wurde der Verein 1825 durch 13 Herren aus dem Bildungsbürgertum, zumeist Pfarrer und Beamte und zudem vielmals miteinander verwandt und verschwägert. Noch 1932 gehörten mindestens 52 % der Mitglieder zu Berufsgruppen akademischer Bildung. Heute wären wir froh, wenn wir die Lehrer, insbesondere die Geschichtslehrer, erreichen oder besser noch zur aktiven Mitarbeit inspirieren könnten.

Bereits frühzeitig organisierte er eigene Ausgrabungen und begründete damit maßgeblich die Ur- und Frühgeschichte in Ostthüringen. Nach einer ersten Monographie des Vereinsgründers Julius Schmidt im Jahre 1826 – einer Topographie der hiesigen Pflege Reichenfels – erschien seit 1829 eine regelmäßige Publikation, zunächst unter dem Titel „Variscia“, dann als Jahresbericht. Unter dem Doppeltitel „Jahrbuch des Museums Reichenfels-Hohenleuben“ bzw. „Jahresbericht des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins“ erscheint demnächst Heft 56 bzw. 170. Jahresbericht. Drei Bibliographien der Vereinsschriften sind bereits erschienen und beweisen die ungebrochene Bedeutung unseres Vereins für die regionale Forschung zu Geschichte und Landeskunde.  Zugleich mit der Begründung dieses Periodika begann der Schriftentausch mit befreundeten und ähnlich orientierten Vereinen im gesamten Reichsgebiet und darüber hinaus. Dieser existieret ebenfalls noch immer. Selbst in der DDR-Zeit wurde der internationale Schriftentausch, insbesondere auch ins „kapitalistische  Ausland“ – um einen seinerzeitigen Ausdruck zu gebrauchen – fortgesetzt, was unseren Verein bzw. das Museum Reichenfels sicher in allen neuen Bundesländern weitgehend einmalig machen dürfte. Sie werden hier Schriften finden, die Sie in den Universitätsbibliotheken Jena und Erfurt  vergeblich suchen werden. Die auf den Vereinssammlungen beruhende Bibliothek des Museums Reichenfels verzeichnet deutlich mehr als 36.000 Einheiten.

Schon frühzeitig suchte der Verein den Kontakt zu namhaften Laienforschern und Wissenschaftlern. Bereits zur Gründung bestanden Kontakte zu Carl Peter Lepsius in Naumburg, dem Geographen Christian Gottlieb Reichardt in Lobenstein, Karl Benjamin Preusker sowie zu weiteren Persönlichkeiten bis hin nach Dorpat im Baltikum. Später zählten solche bekannten Personen  wie der Märchensammler Ludwig Bechstein oder der eben bereits zitierte Professor Virchow zum Kreis der Mitglieder. Anlässlich des Todes des Vereinsgründers und 49jährigen Vereinsvorsitzenden Julius Schmidt heißt es im Nachruf: … stand als solcher mit allen Geschichtsvereinen und Altertumsvereinen Deutschlands, Österreichs und darüber hinaus im wissenschaftlichen Verkehr.“ Seit 1904 wurden dann – im Gegensatz zu anderen traditionsreichen Geschichtsvereinen – auch volkskundliche und heimatpflegerische Zielstellungen verfolgt und örtliche volkskundliche Sammlungen und kleine Museen bewusst gefördert. Übrigens wurde der Aspekt der Heimatpflege sehr bald tatsächlich – und im Vorgriff auf heutige Gegebenheiten – praxisrelevant, als Burg und Ruine Reichenfels abgerissen werden sollten und später als ein Steinbruch mit seinen Sprengungen erneut den Schlossberg schmälerte und Reichenfels gefährdete. Auch verschiedene Bodendenkmale und ein Landschaftsschutzgebiet der Region verdanken ihren Status den Aktivitäten unseres Vereins.

Aus diesen genannten Umständen heraus ist es nur zu verständlich, dass bereits frühzeitig die Idee aufkam, den bereits mit der Gründung angelegten Sammlungen – zu deren Besichtigung bereits im Jahre 1847 ein erster Leitfaden erschien – ein eigenes Museum zu widmen. Erstmals wurde diese Maßnahme im Jahre 1900 auf die Tagesordnung gesetzt und 1905 verfügte man bereits über etwa 7000 Gegenstände, die Bücher nicht eingerechnet. Ein erster für 1913 vorgesehener Museumsneubau fiel den Zeitumständen des 1. Weltkrieges und der Weimarer Republik, anschließend auch der Inflation zum Opfer. Ein Museumsneubau war damit natürlich ausgeschlossen. Da 1927 die Bibliothek bereits 15.000 Bände und auch die Sammlung 8000 Objekte umfasste, wurden beide räumlich getrennt. Trotz verschiedenster Probleme in der Zeit seit 1933, in denen sich die Vereinsführung weitgehend erfolgreich nationalsozialistischer Einflussnahme und Ideologie entziehen konnte, kam es  im Jahr 1938 dann tatsächlich zur Grundsteinlegung und 1940 zur Fertigstellung des Rohbaues, der allerdings sofort einem Rüstungsbetrieb der Siemens-Werke zur Verfügung gestellt wurde. So kam es im Jahr 1941 zu einem folgenreichen Vertrag: der Verein überließ seine Sammlungen dem Landkreis Greiz, der sich im Gegenzug verpflichtete, in Reichenfels ein Kreismuseum zu errichten und mit zwei Angestellten zu betreiben.  Am 9. Dezember 1945 fand eine zunächst letzte (120.) Jahreshauptversammlung statt, an der u.a. der bekannte Historiker Professor Friedrich Schneider teilnahm. Dabei wurde gefordert den Museumsbau zu beenden – auch damit die Sammlungen zu ihrem Schutz und der öffentlichen Präsentation in staatliches Eigentum übergingen –  und aufgrund der Zeitumstände und des Besatzungsrechtes wurde formell die Tätigkeit des Vereins unterbrochen. Die Anwesenden bildeten sofort einen Freundeskreis des Kreismuseums, der die Vereinsarbeit, die Neugestaltung der Sammlungen und selbst die Herausgabe eines Periodika nebst Schriftentausch weiterführte. Im Jahr 1949 erfolgte aufgrund gesetzlicher Vorgaben die Einordnung in den Kulturbund der DDR und in der Folge die Einsetzung einer Redaktionskommission für das zu schaffende Jahrbuch des Museums“, der speziell die VAVH -Tradition wachhielt und pflegte. Inzwischen war am 1. Februar 1950 tatsächlich das Museum als erster Museumsneubau der DDR eröffnet worden. Dieses wurde 1969 vom Kreis Zeulenroda in Rechtsträgerschaft der Stadt Hohenleuben übergeben. Unter diesen Konstellationen wurde die Arbeit bei bewusster Erinnerung an den VAV stets weitergeführt, wenn der Name selbst auch nicht geführt werden durfte. Selbst die Sonntagsgespräche wurden 1982 wieder aufgenommen. Und am 16. April 1990 war es soweit: der Verein nahm mit alten Mitgliedern seine Tätigkeit offiziell wieder auf. Nach höchstrichterlicher Rechtssprechung bedeutet diese Tatsache der ununterbrochenen Tradition und die Mitgliedschaft früherer Mitglieder dann die tatsächliche Rechtsidentität des VAV von 1825 bis 1945 mit unserem Verein.

Worin besteht nun unsere gegenwärtige Tätigkeit? Da ist zum einen das jährlich erscheinende Jahrbuch, welches durchaus einen Umfang von 300 Seiten erreichen kann. Hier achtet die Redaktion darauf, neue Themen darbieten zu können. Häufig wird der Festvortrag der vorjährigen Jahreshauptversammlung veröffentlicht – so beispielsweise von den Herren Professoren Billig und Greiling -, daneben weitere Artikel zur regionalen Geschichte und Landeskunde – auch des außerthüringischen Vogtlandes – sowie Miszellen. Rezensionen und die Arbeitsberichte des Museums und des Vereinsvorstandes runden das inhaltliche Spektrum ab. Daneben erscheinen weitere Sonderpublikationen. Diese Publikationen gewährleisten den erwähnten Schriftentausch und sichern den Kontakt zu den weit entfernt wohnenden Mitgliedern. Für die Mitglieder und Interessenten in der Region sind natürlich auch unsere regelmäßigen Veranstaltungen von besonderem Wert: da wären neben der genannten Jahreshauptversammlung mit wissenschaftlichem Festvortrag – immer am 3. Sonnabend im August und zumeist in der stimmungsvollen Atmosphäre der Burgruine Reichenfels. Daneben finden – wie vor 100 Jahren bereits – etwa 10 Sonntagsgespräche zu den verschiedensten Themen statt sowie der jährliche Osterspaziergang und die traditionellen Exkursionen am 1. Mai und 3. Oktober zu interessanten Zielen oder Ausstellungen in Thüringen, aber auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ohne Anmaßung kann festgestellt werden, dass wir einen bedeutenden Kulturträger in der Region darstellen. Unsere aktiven Mitglieder sind nicht nur als Autoren verschiedenster Monographien und in zahlreichen Periodika hervorgetreten sondern zugleich gefragte Gastreferenten bei befreundeten Vereinen. Ein intensiver Kontakt besteht insbesondere mit dem Verein für Vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde in Plauen und dem Nordoberfränkischen Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde in Hof, womit die traditionellen Beziehungen in das sächsische und bayerische Vogtland fortgesetzt werden. Zugleich sind wir Mitglied im Gesamtverein deutscher Geschichtsvereine.

So bleibt mir zum Abschluß dieser kurzen Vorstellung nur noch auf das Museum selbst hinzuweisen. Wie sie meinen Ausführungen entnehmen können, beruht es auf unserer ehemaligen Vereinssammlung, aber keine Angst: es ist trotz 185jähriger Tradition nicht verstaubt, sondern durchaus nach modernen museumspädagogischen Gesichtspunkten gestaltet.  Es wird derzeit von der Stadt Hohenleuben betrieben, die damit unter Städten vergleichbarer Größe einen Sonderstatus einnimmt,. Selbstverständlich sind die vergangenen Jahre massiver Einschnitte in den städtischen Haushalt auch nicht spurlos am Museum vorbeigegangen. Der Stellenplan wurde massiv eingekürzt, zur Absicherung der Sonderausstellungen und regulären Öffnungszeiten bedarf es der selbstlosen Bereitschaft mehrerer Ehrenamtlicher. Dennoch gelang es bislang im engen Zusammenwirken mit unserem Verein das Niveau als Museum zu erhalten. Dabei besteht unsere Unterstützung sowohl in finanziellen Zuschüssen als auch in der Verwirklichung der wissenschaftlichen Arbeit und der Weiterführung der Erschließung und Erfassung der Bibliothek und Sammlungen.

Sie aber lade ich herzlich ein, das Museum zu besuchen, damit sie auch einen Eindruck davon haben, wovon ich hier geschrieben habe. In der Hoffnung, Ihnen sowohl unseren Verein als auch das Museum nähergebracht zu haben, bedanke ich mich für Ihr Interesse. Und bedenken Sie bitte, jeder Verein lebt nur durch seine Mitglieder, deshalb sind Sie in unserem Verein als Mitglied gern gesehen.

Vereinsvorsitzende Herr Hagner

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