Sonntagsgespräch des VAVH am 15.10.2017 im Museum Reichenfels

Ort: Museum Reichenfels

Beginn: 10 Uhr

Thema: Grenzsteine in Ostthüringen und das Lapidarium vom Museum Reichenfels

Referent: Andreas Hummel, Jena

Die Denkmalgruppe der Grenzsteine gehört zu der zahlenmäßig größten, fristet aber aufgrund einer häufig geringeren Wertschätzung und ihrer oft schweren Zugänglichkeit eine Art Schattendasein.

Das Sonntagsgespräch richtet den Fokus auf diese so variantenreichen Kleindenkmale ausgehend vom Lapidarium im Museum Reichenfels.

Neben einer Vorstellung der Steine in einem ausführlichen Katalog wird deren Geschichte,

ihr Aussehen und ihre Funktion dargestellt.Weitere Beiträge widmen sich sogenannten Zeugen unter den Steinen, setzen sich mit Flur- und Grenzsteinen in Söllmnitz bei Gera auseinander oder zeigen am Beispiel der Ämter Eisenberg und Tautenburg, welchen Niederschlag Grenzsteinsetzungen in archivalischen Quellen hinterlassen haben.“

18.09.2017, Markus Freund

04.02.2018 | 2017, Nachlese

 

Sonntagsgespräch des VAVH im September

Thema: Barocke Taufengel im Vogtland

Ort: Museum Reichenfels

Referent: Gunter Lasch, Zwönitz- Brünlos

Am vergangenen Sonntag, dem 17. September 2017, entführte uns Gunter Lasch aus dem Erzgebirge in die Welt der barocken Taufengel aus Oberfranken, Sachsen und Thüringen.

Für den Vortrag im Museum Reichenfels besuchte er etliche Kirchen in Ostthüringen, um neben der Taufengeln in den Landkreisen Hof und Plauen auch die sehenwerten „Himmelsboten“ der Landkreise Greiz und Saale-Orla vorstellen zu können.

Taufengel waren meist aus Holz gestaltete fast mannshohe Engelsfiguren und dienten anstelle des Taufsteins der Taufhandlung.

Kunsthistorich gesehen sind sie eine protestantische Sonderform aus der Barockzeit.

Sie entstanden Ende des 17.Jhd und hatten ihre Hochzeit bis Ende des 18.Jhd.

Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich von Schleswig Holstein, über Ostpreussen, Brandenburg bis nach Sachsen, Thüringen und Franken. Im südlichen Deutschland und Böhmen gab es bis auf wenige Ausnahmen keine Taufengel, da hier der protestantische Einfluß fehlte.

In einer Taufschale in ihren Händen reichen sie das Wasser zum Taufsakrament dar und verkörpern damit die Brücke zum Himmel, zu Gottes Welt.

Sie wurden stehend, schwebend und sitzend dargestellt und meist an einem Seil befestigt zur Taufe vom Himmel gelassen.

In unserer Gegend weit verbreitet, gibt es heute noch in den Kirchenbezirken Gera und Greiz 18 aktive Engel.

Einige sind verschollen, weil geraubt wie 1991 in Teichwolframsdorf, andere in Museen und Depots, viele sind aber mittlerweile restauriert und für die Nachwelt als kulturhistorische Zeugnisse erhalten.

In der näheren Umgebung sind in den Kirchen Döhlen, Steinsdorf, Schömberg, Muntscha, Weida, Merkendorf, Arnsgrün, Braunsdorf, Caselwitz, Teichwolframsdorf, Gauern und im Museum Reichenfels Taufengel in den unterschiedlichsten Formen und Funktionen zu besichtigen.

17.09.2017, Markus Freund

04.02.2018 | 2017, Nachlese

Jahreshauptversammlung des Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins zu Hohenleuben (VAVH) und des Freundeskreises Museum Reichenfels 

Am Samstag, dem 26.August 2017 fand die Jahreshauptversammlung beider Vereine im Saal des Museums Reichenfels statt.

Unter den knapp 60 Mitgliedern und Gästen konnten wir als Ehrengäste die Landrätin Frau Schweinsburg, die Landtagsabgeordnete Frau Skippe, den Bürgermeister von Langenwetzendorf und den Bürgermeister von Hohenleuben begrüßen.

Herr Hagner und Herr Schopplich, Vorsitzende der Vorstände trugen die Rechenschaftsberichte beider Vereine vor.

Die geleistete Arbeit zum Erhalt des Museums ist nur in einer Zusammenarbeit zwischen der Stadt Hohenleuben als Eigentümer des Museums und der ehrenamtlichen Arbeit vieler Freiwilliger möglich, so die Herren.

Der VAVH konnte durch Schenkungen von Einzelobjekten und Sammlungen seinen umfangreichen Bestand vergrößern.

Für das neue Vereinsjahr sind neben der wissenschaftlichen Arbeit auch handfeste Dinge wie das Neuanlegen des Zaubergärtchens und die Kellersanierung geplant.

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung erklärte Herr Espig aus Greiz im Festvortrag die „Grundzüge der Morphologie des Fürstentums Reuß ä.L. von 1867 bis 1918“. Wir danken ihm für den interessanten detaillierten Vortrag.

Interessierte können sich gern unter:

www.vavh-geschichtsverein-hohenleuben.de bzw. www.museum-reichenfels.de

zur Museumsarbeit und der Vereinsarbeit informieren.

Das neue Jahrbuch des Museums Reichenfels-Hohenleuben, Heft 62/2017 konnte druckfrisch erworben werden.

28.08.2017

Markus Freund

10.09.2017 | 2017, Nachlese

Stockmacher- ein fast ausgestorbenes Handwerk

Referent: Herr Michael Geyer, Stockmacher aus Lindewerra 

Am Sonntag, dem 21. Mai, war Herr Geyer aus Lindewerra im Museum Reichenfels zu Gast. Er ist der letzte Stockmacher Thüringens und schilderte den 20 Besuchern die fast vergessene Handwerkskunst Stöcke zu fertigen.

In Lindewerra, am heutigen westlichen Rand Thüringens, ließ sich 1836 der Stockmacher Wilhelm Ludwig Wagner aus Göttingen nieder und fertigte aus Eichensprösslingen erste Geh- und Wanderstöcke. Diese wurden bei der damaligen Bevölkerung schnell beliebt und verhalfen dem Ort zu einer Vielzahl an Handwerksbetrieben, den Stockmachern.

Die Stöcke wurden vorzugsweise in der Winterzeit hergestellt, im Sommer arbeiteten die Menschen in der Landwirtschaft.

Die Hochzeit des Stockhandwerkes war zwischen 1900-1930, in einer Zeit, als es noch keine teueren Aluminiumstöcke für Freizeitaktivitäten gab. Nicht nur für Sport, sondern auch als schickes Accessoire war der Stock sehr beliebt. „Nie ohne Stock und Hut“ ging ein Herr in Gesellschaft, der fade Beigeschmack des gebrechlichen, alten Menschen war in der damaligen Zeit nicht das Aushängeschild des Stockes.

Zwischen 1950-1990 gab es in Lindewerra unter der Obhut einer Liefergenossenschaft 10 Betriebe, die 500.000 Stöcke produzierte. 95 % davon gingen in den Export, vorrangig die BRD und Österreich.

Heute gibt es deutschlandweit 2 Stockmacher, Herrn Geyer aus Lindewerra und einen zweiten jenseits der Werra, auf hessischer Seite, von welchen die familiären Wurzeln aber im Ort Lindewerra liegen.

Durch die Wende und den Zeitgeist sind seit dem wichtige Absatzmärkte weggebrochen, der Beruf ist ebenfalls kein anerkannter Ausbildungsberuf mehr.

Die Rohlinge sind heute vorzugsweise aus spanischem Maronenholz, einheimischer Haselnuss oder aus Esche. 32 Arbeitsschritte sind notwendig, um einen Wanderstock zu fertigen.

Der Modesport „Northern Walking“, bekannt geworden durch die Walker mit Aluminiumstöcken, verhalf den Stockmachergewerbe zu einigen Aufschwung, nicht zuletzt, weil die Holzstöcke ein Ausdruck von Individualität sind.

Die Produktionszahlen in Lindewerra stiegen so in den letzten Jahren wieder auf 70.000 Stück pro Jahr.

Wir wünschen Hr. Geyer viel Erfolg bei der Fortführung dieses Handwerkes und regen zu einem Besuch in dem kleinen Dorf an der Werra an.

Am Nachmittag des Sonntages konnten Kinder die Herstellung eines Wanderstockes selbst in die Hand nehmen. Mit Raspel, Säge und Gasbrenner wurden Wanderstöcke mit viel Liebe und Energie gefertigt. Der Stocknagel aus Lindewerra  war dann der I-Punkt auf dem Stock.

Weitere Informationen und Kurioses zur Stockmacherei gibt es im Museum Reichenfels, in der aktuellen Sonderausstellung zu erfahren. Das Stockmacherdorf Lindewerra gibt seine Geheimnisse unter www.lindewerra.de preis.

28.05.2017, Markus Freund

23.05.2017 | 2017, Nachlese

Georg Kresse-auf den Spuren eines kurzen Lebens

hieß eine vom Vogtländischen Altertumsforschenden Vereins Hohenleuben angebotene Wanderung. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Wanderleiter A. Brandt, widmete dieser die Wanderung dem verstorbenen Heimatforscher F. W. Trebge. Bei den Wanderfreunden war eine unbändige Wanderlust zu spüren und so wurde kurzfristig die Wanderroute verändert, heißt in diesem Falle verlängert.

Zwölf Wanderfreunde machten sich am 25.03.vom Parkplatz am ehemaligen Wasserwerk in Dörtendorf auf den Weg. Erste Station war der Standort des ehemaligen Kressehauses in Dörtendorf. Ein Gedenkstein erinnert noch heute an Kresse und sein Elternhaus. Weiter Richtung Reichenfels erreichen wir nach ca. 1,5 km den Dreiherrenstein. Hier berührten sich die Ländergrenzen von Reuß j.L., Kursachsen und Reuß ä.L. Dieses Länderdreieck erklärt Kresses erfolgreiches Handeln gegen Gewalt und Willkür in seinem Lebensumfeld. Wenige hundert Meter von hier lag sei Versteck, die Kressehöhle. Nach einem leichten Anstieg ging es hinauf zur Burgruine Reichenfels. Den Wandernden bot sich von hier oben ein herrlicher Blick ins Triebestal und Umgebung. Hier wurde auch der Standort der Kressehöhle gezeigt. Nach einer kurzen Rast und einem Blick auf Kopien von Kresses  Tauf – und Hochzeitseintrag in den Döhlner Kirchenbüchern, ging es über die Eierwiese zum roten Felsen hinunter ins Triebestal. Flußabwärts durch die Ungnade das Flüsschen Triebes überquerend welche hier auch die Flurgrenze zwischen Hohenleuben und Döhlen darstellt. Der kleine Wandersteg über die Triebes war unübersehbar in die Jahre gekommen, sollte aber unbedingt erhalten werden. Das Triebestal verlassend ging es nun weiter im Weidatal mit Blick vom Reisweg auf Döhlen und Umgebung. Auf die an einer Wanderbank angebrachten Bedenken zur Errichtung von Windrädern im Forst wurde besonders hingewiesen. Hinab nach Döhlen wandernd war die Kirche unser nächstes Ziel. Im Vorgängerbau wurde G. Kresse getauft und heiratete hier seine Anna Pissel aus Piesigitz. Gleich nebenan befand sich die alte Dorfschule die Kresse auch besucht haben dürfte. Hier in der Kirche erfuhren die Wanderfreunde von seinem kurzem Leben. Nebenbei wurden noch die drei erschienenen Kresse Romane vorgestellt. In Döhlen passierten wir die Altehrwürdige Urpfarrei welche auch Schauplatz für die Filmaufnahmen der 7-Teiligen Fernsehserie “Rächer, Retter und Rapiere„ war. Gleich hinter der Pfarrei befand sich die älteste Mühle im Weidatal, die Döhlenmühle.

Hier dürfte Kresse mit seinen Ernteerträgen vom elterlichen Hof ein-und ausgegangen sein. Einem leichten Anstieg folgend, gings hinauf zum Grobisch mit herrlicher Aussicht und Raststelle. Nebenbei war hier zu erfahren wo sich weitere alte Mühlen, die Pfaffenbrücke und die alte Staitzer Fliehburg befand. Mit Blick Richtung Auma war vom Ende des kurzen Lebens Kresses zu erfahren. Am 1.November 1641 wurde Kresse von Hatzfeldischen Reitern in Auma erschossen.

Anschließend erläuterte der Wanderführer noch warum die Quellenlage über Kresse so dünn sei. Eine Erklärung liefert die am 8. April erfolgte Bombardierung von Schleiz durch amerikanische Flieger. Opfer dieses Angriffs waren auch das Schloss der Reußen mit Archiv. Nach wenigen Wanderminuten erreichten wir wieder den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Trotz Wanderstreckenverlängerung haben wir unser Zeitlimit nur geringfügig überzogen. Gelohnt hat es sich allemal, nicht nur des Wetters wegen. Ein Dankeschön an alle Wanderfreunde für ihr Interesse.

 

Andreas Brandt

25.04.2017 | 2017, Nachlese

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